serviam_tlr_locarno (720p)
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Synopsis

Ein katholisches Mädcheninternat, Teil einer abgeschiedenen Institution am Rande von Wien, die wohlhabende österreichische Elite und ihre Kinder. Die Schule floriert, der Glaube ist jedoch im Niedergang begriffen, die oberen Stockwerke des Internats stehen bereits leer. 

Die Internatsleiterin, eine junge energetische Klosterschwester, kämpft mit Hingabe gegen den Niedergang des Glaubens. Die zwölfjährige Martha, ein Liebling der Schwester, ist ein tief gläubiges Mädchen, das die Sünden der Welt sühnen möchte. Die Schwester ermutigt Martha, indem sie ihr einen Bußgürtel leiht. Das Mädchen fügt sich damit aber schwere Wunden zu – und wird in einem leerstehenden Stock versteckt.

Statement der Autoren

Die Gesellschaft, die das katholische Mädcheninternat in SERVIAM nutzt, unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von der heutigen: Wir sehen ein bürgerliches Wohlstandsmilieu des gesättigten Westens, altes und neues Geld. Einige Unterschichtler werden geduldet, einige der höheren Töchter sind magersüchtig, einige der Väter sind haltlose Hedonisten. Diese Gesellschaft ist bereits säkular, den meisten dient das Katholische nur noch als Attribut elitärer Abgrenzung. 

Ein zweites Hinschauen verrät, dass die Handlung aus gutem Grund in den Achtzigerjahren des 20. Jahrhunderts spielt: Figuren, Sprache und Motive sind unverkennbar aus der persönlichen Erfahrung der Autoren geschöpft. SERVIAM zeigt die letzte analoge Generation von Kindern, die ohne die Omnipräsenz tragbarer Bildschirme aufwuchsen. Ein bedeutender Unterschied zu den Achtzigerjahren besteht darin, dass die meisten katholischen Internate inzwischen geschlossen sind und die getrennt geschlechtliche Erziehung verboten ist. Nicht nur hat sich das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern weiter verändert; nachdem zahlreiche Priester des sexuellen Missbrauchs überführt worden waren, ging das Vertrauen in katholische Internate verloren. Es gibt nur noch ganz wenige. Viele katholische Privatschulen florieren währenddessen. Das Katholische ist dort mehr denn je Dekor. 

Dennoch ist SERVIAM kein Historienfilm, der aus Liebe zu den originellen Frisuren und Gewändern der Achtzigerjahre entstünde. Die brennende Frage, die SERVIAM bis an ihr letztes Ende durchexerziert, ist überzeitlich: Was, wenn da plötzlich jemand die Lehre vom Sinn des Leidens radikal lebt? Und was, wenn ein Kind aus Liebe zu Christus in den Tod zu gehen bereit ist? 

Gebettet in eine uns noch vertraute Welt, bricht in SERVIAM ein 2000-jähriges christliches Universum herein, theologisch und mystisch, gotisch und modern, tief und still, laut und total. Plötzlich ist da die apokalyptische Bildgewalt der Offenbarung des Johannes, eine Versunkenheit in Betrachtung des Gekreuzigten, der Leib Christi, plötzlich sind da Wundmale. Für die säkulare Mehrheit war das in den Achtzigerjahren so aktuell, wie es auch in den Zwanzigerjahren sein wird. Seit dem 11. September 2001 ist dem Thema indessen Brisanz zugewachsen: Wir haben gelernt, dass in unserer Mitte Muslime leben, denen die Hingabe an einen Gott kostbarer ist als das eigene Leben. 

SERVIAM ist ein Thriller, dem man sich nicht zu entziehen vermag, gleich wie man zu welchem Glauben steht.
SERVIAM, das ist eine Nonne, welche die Nachfolge Christi in kompromissloser Radikalität sucht – und dabei immer schuldiger wird. SERVIAM, das ist ein herzensgutes Mädchen, das isoliert unter Lebenden dem Tod entgegensiecht – und dabei heiter auf Gott vertraut. SERVIAM, das sind wir – unser Zweifel, unser Glaube, unsere Angst.